Atemrhythmus

Am Atem wird besonders deutlich, dass wir rhythmische Wesen sind. Mit dem ersten Atemzug beginnt ein Prozess, der uns im Wechsel von Ein- und Ausatmen die Grundfunktion des 23 Stoffwechsels deutlich macht: Lebenswichtiger Sauerstoff wird aufgenommen, verbrauchtes Kohlendioxyd ausgeschieden. Ohne das Gleichgewicht dieses Prozesses können wir nicht leben. Leiden die Zellen an Sauerstoffmangel, werden wir krank.

Sauerstoff ist neben Wasser die wichtigste Einzelsubstanz des Körpers und lebensnotwendig. Der gesamte Stoffwechsel, speziell der Energiestoffwechsel, mündet letztendlich in eine Reaktion mit Sauerstoff. Dadurch ist Sauerstoff der entscheidende Faktor für unseren Stoffwechsel, unsere Gesundheit, Leistungsfähigkeit und schließlich unser Leben.

Sauerstoff wird aber als einziger lebensnotwendiger Stoff nicht im Körper gespeichert; deshalb ist er auf die ständige Zufuhr von Sauerstoff angewiesen. Und je vollständiger und optimaler dies erfolgt, desto besser für die Gesundheit. Man kann wochenlang ohne Essen auskommen, man kann tagelang ohne Wasser auskommen, aber man braucht nur eine Minute lang nicht zu atmen, schon spürt man sehr intensiv die Wichtigkeit des Sauerstoffes.

Der Nobelpreisträger Otto Warburg hat nachgewiesen, dass Zellen, die immer wieder mit Sauerstoff unterversorgt sind, zu Krebszellen werden können und über Zuckergärung Energie gewinnen. Dieser Prozess liefert wesentlich weniger Energie und ist typisch für die Krebszelle. Die Sauerstofftherapie ist daher ein wertvoller Teil der Krebstherapie. Denn ohne Sauerstoff können nur Krebszellen leben, nicht aber gesunde Körperzellen, die mit zunehmendem Sauerstoffmangel immer kraftloser werden.

Über komplexe Prozesse werden Sauerstoffzufuhr und Kohlendioxydausscheidung an die Stoffwechselsituation des Körpers angepasst. Diese Feinabstimmung geschieht in der Regel, ohne dass wir uns dessen bewusst werden, auch wenn es prinzipiell natürlich möglich ist, den Atem willentlich zu beeinflussen.

Rhythmus ist die Wiederholung von Ähnlichem

Dieser vom Atem abgeleitete Grundsatz zeigt, dass die Variation ein Naturprinzip ist, das sich in der Artenvielfalt, den sich variierenden Naturrhythmen und der individuellen Ausprägung eines jeden Lebewesens zeigt. Eine ganz genaue Wiederholung ist zwar auch dynamisch, aufgrund der fehlenden Varianten trägt sie aber bereits das Prinzip der Erstarrung in sich. Bereits an diesem Beispiel wird deutlich, dass die rein mechanistische Betrachtung von lebenden Systemen nicht ausreicht, um diese wirklich zu erfassen.

Durch vielerlei körperliche und seelische Belastungen (Umweltgifte, Rauchen, Stress, traumatische Erfahrungen etc.) kann die flexible Regulationsfähigkeit des Atemsystems im Laufe des Lebens gestört werden. Das sind oft nur kleine, feine Veränderungen, die aber Auswirkungen auf das Gesamtsystem haben, indem die Versorgungs- und Ausscheidungsfunktion nicht in jedem Augenblick optimal gewährleistet ist. Der Körper balanciert das in der Regel wieder aus, daher lässt sich die beginnende Störung des Systems klinisch kaum feststellen.

Bei einer gesundheitsförderlichen Atmung wird das Zwerchfell bewegt, nicht nur die Lunge. Alles, was das Zwerchfell in Bewegung setzt, ist nach medizinischen Erkenntnissen gesund. Bewegung bringt den Atem in Schwung, aber auch Singen und Lachen sind gesund. Warum? Die Luft, die dabei aus den Lungen herausbefördert wird, ist abgestanden. Auch eine Lunge braucht regelmäßige Durchlüftung. Wer krank ist, tut gut daran, sich mit etwas Fröhlichem zu beschäftigen und, sofern es möglich ist, auch herzhaft zu lachen.

Außer dem Atem existieren noch viele andere Rhythmen im Organismus. Neben dem Herzschlag, dessen Rhythmus sich bereits ausbildet, bevor die Struktur des Herzens beim Fötus ausgeformt ist, haben wir noch kürzere (biochemische Reaktionen), aber auch längere Rhythmen wie den Tag- und Nachtrhythmus, an dem sich die Funktion vieler Organe ausrichtet, sowie Wochen-, Monats- und Jahresrhythmen.

Mit sieben Jahren beginnt der Zahnwechsel, mit ca. 14 Jahren die Pubertät und mit 21 Jahren ist das Wachstum weitgehend abgeschlossen, so dass hier ein Siebenjahresrhythmus vorliegt. Alle Rhythmen sind in gewissem Umfang aufeinander abgestimmt und sorgen für eine harmonische Funktion des Organismus. Wer z.B. ständig Kaffee trinkt, erhöht die Herzfrequenz und verändert damit das natürliche Rhythmusgefüge.

Diese Gesichtspunkte gehören zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Körpervorgänge dazu, auch wenn die Bedeutung der normalen Körperrhythmen noch nicht ausreichend erforscht ist. Unter anderem erfolgt die Zellteilung in einem bestimmten vorgegebenen Rhythmus, an den sich die Krebszelle jedoch nicht mehr hält.

Die Musik, z.B. von Bach und Mozart oder die traditionell überlieferte Musik vieler Kulturen ist die Verkörperung von harmonischem Rhythmus und kann helfen, zum eigenen Lebensrhythmus zurückzufinden. Disharmonische, stressende Rhythmen (z.B. Heavy Metal) führen uns dagegen über die Überaktivierung auf Dauer in die Erstarrung und machen krank. In der Musiktherapie sowie in Pflanzenexperimenten wurden die gegensätzlichen Einflüsse diverser Musikarten eindrucksvoll bewiesen.

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