Schmerz

Schmerz ist ein lebenswichtiges Alarmsignal. Menschen, die aufgrund einer Erkrankung keine Schmerzwahrnehmungen haben, müssen äußerst sorgfältig ihren Körper beobachten, da sie sonst sogar ernsthafte Verletzungen übersehen können.

Wenn bei einem Auto die Ölkontrollleuchte brennt, ist es sicher nicht sinnvoll, die Glühbirne herauszudrehen und dann weiter zu fahren. So verhalten wir uns aber, wenn wir jede Schmerzempfindung gleich mit einem Schmerzmittel „behandeln“. Der Schmerz ist ein Signal, welches die Aufmerksamkeit zu einem Bereich des Körpers hinzieht. Er sagt: „Dort musst Du hinschauen, dort ist etwas nicht in Ordnung.“ Schmerz ist also ein hilfreicher Ausdruck der Lebensenergie.

Schmerzmittel gehören zu den meist verkauften Medikamenten. Nicht wenige Menschen entwickeln eine Abhängigkeit. Das Ergebnis, wenn ein Symptom unterdrückt wird, ist nicht das Verschwinden der Störung, sondern die Entwicklung einer chronischen Erkrankung. Wahrscheinlich 10% der Bevölkerung, d.h. 8 Millionen Menschen, leiden an einer chronischen Schmerzerkrankung, vor allem des Rückens, und noch viel mehr sind regelmäßig von Kopf- oder anderen Schmerzen betroffen.

Die chinesische Medizin sagt: „Schmerz ist der Schrei des Gewebes nach fließender Energie“.

Blockaden, Anspannungen, Störfelder und nicht ausgeheilte Akutstörungen sind auf der körperlichen Ebene die Ursachen für chronischen Schmerz, dazu kommen natürlich schwere Erkrankungen, die als Begleitsymptom Schmerz erzeugen. Bei Rückenschmerzen spielen die „Nackenschläge des Lebens“ und die „Last“, die wir zu tragen haben, eine entscheidende Rolle.

Der Dauerschmerz ist eine Aufforderung, die Lebensenergie wieder in Fluss zu bringen. Auslösend ist meist ein Sauerstoffmangel des Gewebes, verursacht durch Verspannungen und dauerhaft verkrampfte Muskulatur. Der Sauerstoffmangel führt zur Vergärung von Zucker und starker Säure- und Schlackenproduktion. (Jedes Feuer, das unter sauerstoffarmen Umständen brennt, produziert mehr Giftstoffe.) Die sauren Schlacken werden durch die mangelhafte Durchblutung nicht abtransportiert und sammeln sich an. Die Folge: Die Schmerzrezeptoren werden chronisch gereizt und melden „Schmerz“ ans Gehirn, um auf die Notsituation des betroffenen Gewebes aufmerksam zu machen.

Tiefenwärme regt die Durchblutung, Entspannung und Regeneration des Gewebes an und ist deshalb therapeutisch außerordentlich erfolgreich. Ähnlich wirken Massagen. Zur Schmerzlinderung sollten die Säuren durch basenhaltige Kost und Basenmittel neutralisiert werden. Das Chi-Training löst Verspannungen und verbessert die Sauerstoffversorung des Gewebes. Die Akupunktur ist eine ganzheitliche, sehr erfolgreiche und inzwischen auch schulmedizinisch anerkannte Schmerztherapie. Auch die Therapie mit Feinströmen wirkt heilsam und schmerzlindernd. Über die diversen Stromtherapien und deren Unterschiede berichten wir auf Seite 320 ff. Als natürliche Heilmittel sind insbesondere bei chronischen Gelenkschmerzen MSM, hochdosiertes Vitamin E und bei entzündlicher Beteiligung Leinöl (omega-3-Fettsäuren) sowie Weihrauch empfehlenswert.

Schmerzen im Bewegungsapparat verursachen schnell Schonhaltungen, die sich festsetzen und die Beweglichkeit weiter einschränken. Dadurch vermindert sich die Durchblutung noch weiter und auch gesunde Körperpartien werden in Mitleidenschaft gezogen. Wir dürfen die Teile niemals isoliert betrachten. Halswirbel und Füße sind mehr miteinander verbunden, als wir denken.

Die Wahrnehmung von Schmerz ist ein subjektives Phänomen. Wenn die Aufmerksamkeit stark von einem anderen Inhalt (z.B. einem sportlichen Wettkampf) einge-nommen ist, nehmen wir eine Verletzung manchmal überhaupt nicht wahr. Dies zeigt beispielhaft, dass Schmerz auch seelische Komponenten besitzt. Der Schmerz wird gebraucht, wenn wir Konflikte nicht auf andere Art und Weise lösen können. Er zeigt innere Spannung, Aggression (auch gegen sich selbst) und Schuldgefühle, die sich bemerkbar machen wollen. Mit Schmerz haben wir in unserer Kindheit unterschiedliche Erfahrungen gesammelt:

  • Wir werden liebevoll in den Arm genommen, wenn wir uns z.B. beim Hinfallen das Knie aufgeschlagen haben.
  • Wir werden bestraft, wenn wir „böse“ waren.

Dieses sind die zwei Pole, zwischen denen sich die Suche nach und das Vermeiden von Schmerz abspielen. Wenn sich Erfahrungsmuster festsetzen, werden sie zu einem bestimmenden Schema. Unbewusst entscheiden wir uns für den Kontakt oder die Zusammenarbeit mit Menschen, in denen sich unsere Muster widerspiegeln. Jede neue Erfahrung, die das alte Schema bestätigt, verfestigt die Situation. Jedes Erlebnis, welches wir nicht verarbeiten und nicht wieder anschauen, fördert die Fixierung im andauernden Schmerz.

Schmerzpatienten neigen dazu, sich immer mehr zurückzuziehen. Das ständige Sprechen über Schmerz und Leid führt dazu, dass die Umwelt beginnt, sich ihrerseits von dem Betroffenen zu distanzieren. Der Rückzug führt zu stärkerer Isolation und mehr Schmerz auf der seelischen Ebene. Hier zeigt sich ein Teufelskreislauf, der durchbrochen werden muss. Durch das Erlernen neuer Reaktionsmöglichkeiten und die Entwicklung einer anderen Einstellung zum Schmerz ist es möglich, aus den alten Verhaltensweisen auszubrechen. Dabei kann nicht nur psychologische Hilfe wirksam sein, sondern auch dynamische Therapien, die die körperliche Erstarrung auflösen.