Übersäuerung

Wenn Säuren aus dem Stoffwechsel zurückbleiben, werden diese nach ihrer Neutralisierung durch Mineralstoffe in unserem Bindegewebe in Form von Schlacken abgelagert. Verschlackungs- und Vergiftungsprozesse, sowie Alterung und Alterskrankheiten beginnen so allmählich. Im zunehmenden Alter ist der Basenausgleich deshalb von äußer-ster Wichtigkeit. Dies ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt.

Es konnte gezeigt werden, dass sich der höhere Basengehalt in der vegetarischen Ernährung positiv auf die Knochendichte auswirkt. Vegetarierinnen zeigten im achten Lebensjahrzehnt einen Knochenverlust von nur 18% im Vergleich zu Nicht- Vegetarierinnen mit 35%. Dieser Effekt wird auf die unterschiedliche Säurebelastung der beiden Ernährungsformen zurückgeführt.

In einer zusammenfassenden Analyse von 16 Studien, in denen Daten über das Auftreten von Knochenbrüchen des Hüftbereichs im Zusammenhang mit Nahrungsinhaltsstoffen analysiert wurden, zeigt sich ein starker positiver Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Hüftfrakturen und dem Proteingehalt der Nahrung.

Bei der Untersuchung der Abhängigkeit der Knochendichte von der Zufuhr basischer Lebensmittel über einen Zeitraum von 4 Jahren wurde bei Senioren belegt, dass basisch wirkende Lebensmittelinhaltsstoffe (insbesondere Kalium- und Magnesiumsalze) und ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse mit einer höheren Knochendichte in Zusammenhang stehen.

Ein latent übersäuerter Stoffwechsel führt erst zur Einlagerung von Säuren ins Bindegewebe, dann in die Gelenke. Da Säuren eine tödliche Gefahr für jede Zelle sind, wird Calcium als Säure-Puffer dem Knochen entnommen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen deutlich, dass eine chronisch erhöhte Zufuhr sauer wirkender Nahrungsmittel, z.B. von Kaffee und Alkohol, zu einem erhöhten Verbrauch des puffernden Mineralstoffs Calcium aus dem Knochenreservoir führt. Ursache für die Säurebelastung des Organismus ist vor allem ein hoher Gehalt an tierischem Eiweiß in der Nahrung, der mit zunehmendem Alter und gleichzeitig nachlassender Nierenfunktion die Entstehung einer chronischen Übersäuerung (latente Azidose) fördert.

Ein typisches Krankheitsbild aus der Praxis:

Berufstätige Frau im mittleren Alter, trinkt 2 Liter Kaffee am Tag, durch den Kaffeekonsum stark entwässert. Durch Ernährung, Kaffee und Rauchen stark übersäuert. Die Folge: Chronische Gelenkschmerzen, (bedrohlich hoher) Ruhepuls von 100, fortgeschrittene Osteoporose infolge der Übersäuerung. Blut im Urin in Folge von Säurekristallen in den Nieren. pH-Messung ergibt über Wochen stark sauren Urin zu allen Ta geszeiten.

Durch eine vermehrte Aufnahme von basisch wirkenden Nahrungsmitteln bzw. basisch wirkenden Mineralstoffsupplementen kann dem Verlust von Knochensubstanz entgegengewirkt werden. Daher ist es sinnvoll, Calcium ergänzend zuzuführen, idealer Weise in einer synergetischen Mischung mit Magnesium und Kalium. Optimal bioverfügbar ist Calciumcitrat. Calciumcitrat wird bei Menschen mit niedriger Magensäure 10- mal besser aufgenommen als Calciumcarbonat. Menschen mit normaler Magensäure weisen eine 20-66% besser Absorption auf.

Allmählich verdrängt die hohe Säurenkonzentration (Protonen) intrazelluläres Kalium aus der Zelle. Schon eine relativ geringe Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts führt schließlich zum vorzeitigen Absterben der „Zellkraftwerke“ (Mitochondrien), da diese besonders empfindlich reagieren. Die Zelle kann, ähnlich der Krebszelle, durch Zuckergärung weiter Energie gewinnen oder sie stirbt ab. Wenn eine Zelle in Lebensgefahr gerät, beginnt sie sich verstärkt zu teilen, um in der Gestalt ihrer Nachkommen am Leben zu bleiben. Auf diese Weise begünstigt die intrazelluläre Übersäuerung die Entstehung von entarteten Zellen und Krebs.

Je weiter die Übersäuerung fortschreitet, desto schwächer werden die Zellen und desto früher sterben sie ab. So bewahrheitet sich der alte Spruch: „Das (saure) Milieu ist alles, der Erreger nichts.“ Krankheitserreger können sich in einem solchen Körpermilieu rasant ausbreiten.

Bei Urin-pH-Messungen von Krebskranken in der eigenen internistischen Praxis lagen die Werte zu 90% im sauren Bereich. Dieses Ergebnis überrascht nicht, wenn wir die Ernährungsgewohnheiten der reichen Industrieländer zu Grunde legen. 80% der Lebensmittel, die täglich auf dem Speiseplan stehen, sind Säurebildner, nur 20% sind Basenbildner – führen also zu einem basischen Stoffwechsel.

Obwohl von führenden Medizinern dem Säure-Basen Haushalt eine enorme Bedeutung zugeordnet wird, wird er in der Schulmedizin so gut wie nicht beachtet; die tragische Folge von Spezialisierung und Symptom-Behandlung. Bei Tausenden in 45 Jahren von anderen Kollegen erhaltenen Arztbriefen wurden der Urin-pH-Wert oder die chronische Übersäuerung nicht ein einziges Mal erwähnt. Auch aus den erhöhten Harnsäurewerten, die leider selten genug mit einem Gichtanfall als Warnsignal einhergehen, werden meist keine therapeutischen Konsequenzen gezogen. Sie weisen immer auf eine schon seit Jahrzehnten bestehende Azidose hin. Der gestörte Eiweißstoffwechsel wird in der Medizin kaum beachtet. Behandelt wird dann das Endstadium des Nierenversagens mittels der Dialyse.

Das Säure-Basen-Gleichgewicht ist eine wichtige Grundlage der Gesundheit. Läge es vor, so würden viele Zivilisationskrankheiten nicht entstehen. Präventive Medizin muss in Zukunft diesen zentralen Gesichtspunkt berücksichtigen. Praxistipps erhalten Sie im Abschnitt II.

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