Aus der Stressspirale aussteigen

Stress an sich ist nichts Schlechtes. Wir brauchen ihn sogar für ein erfülltes, erfolgreiches Leben – solange wir noch die Zeit finden, abzuschalten, uns zu regenerieren und nachts gut und genug zu schlafen. Dauerstress dagegen macht krank, so die bisherige Aussage dieses Buches. Besonders problematisch bei vielen der erwähnten Krankheitsgeschehen ist, dass sie einen Teufelskreis begründen. Durch die Cortisolresistenz werden im Körper Prozesse in Bewegung gesetzt, die ihrerseits wieder auf die Cortisolproduktion wirken und den Körper noch weiter aus dem Gleichgewicht bringen – bis zum völligen Zusammenbruch des Systems. Außerdem sind, auch wenn die Darstellung als Einzelfaktoren in diesem Ratgeber etwas anderes nahelegt, alle Cortisolwirkungen miteinander verknüpft. So wirkt z. B. Cortisol durch die Beeinflussung des Immunsystems nicht nur erkältungs-, sondern auch krebsfördernd. Aus Gründen der Vereinfachung haben wir jedoch auf die Darstellung der verschiedenen Wechselwirkungen verzichtet. Die Beweislage gegen den Angeklagten Cortisol ist auch so erdrückend.

Dauerstress bedeutet also in der Quintessenz, dass der Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die natürliche Ausgewogenheit zwischen Anspannung und Entspannung ist gestört, die verschiedenen Stoffwechselwege und Prozesse im Körper sind nicht mehr in Balance. Beim Aussteigen aus der Stressspirale kommt es also darauf an, dem Körper zu helfen, das verlorene Gleichgewicht wiederherzustellen. Aber wie schaffen Sie den Absprung?

An den physiologischen Reaktionen Ihres Körpers auf Stress können Sie nichts ändern. Ihr Körper wird Stress immer als Gefahr interpretieren und versuchen, gegenzusteuern. Wenn Sie dann mit dem Stressessen beginnen, sind Ihre „Rettungsringe“ um den Bauch wörtlich zu verstehen, nämlich als Versuch Ihres Körpers, Sie aus einer (vermeintlichen) Gefahr zu retten. Doch diese Rettungsmechanismen („Fight or Flight“) greifen heute nicht mehr, sondern schaden. Es gilt, neue Umgangsformen mit Stress zu finden. Dabei gibt es fast ebenso viele Arten, mit Stress umzugehen, wie es Stressauslöser gibt. Wichtig ist, dass Sie den für Sie richtigen Weg finden.

Bewegung trägt dazu bei, Stress abzureagieren, während Schlaf die Regeneration fördert. Und zu guter Letzt können Sie die Auswirkungen von Stress auf den Stoffwechsel mildern. Hier helfen eine basenreiche Anti-Stress-Ernährung und ggf. die Unterstützung durch Nahrungsergänzungsmittel.

Manchmal können Sie dem Stress von vornherein entkommen, z. B. durch realistische Planung (lieber nur 50 % seiner Zeit verplanen!) und Loslassen von Verpflichtungen. Da Verpflichtungen und Termine aber nun einmal zum Leben gehören, ist eine komplette Stressfreiheit weder denkbar noch wünschenswert. In erster Linie sollten Sie versuchen, eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden. Dabei geht es nicht darum, komplett stressfrei zu leben! Ein gesundes Maß an Herausforderungen hilft uns dabei, ein ausgefülltes Leben zu führen und als Menschen zu wachsen. Dem verbliebenen Stress können Sie anschließend auf der geistigen und körperlichen Ebene begegnen. Sie können lernen, sich bewusst zu entspannen und vorhandenem Stress mit einer anderen Einstellung zu begegnen, sodass Ihr Körper nicht direkt in den Gefahrmodus wechselt („Peace-of-Mind-Training“).

Verändern Sie Ihre Sichtweise! Ein glückliches Leben ist nicht stressfrei, und Stressfreiheit ist keine Garantie für ein glückliches Leben. Obwohl die meisten Menschen Stress als schädlich empfinden, scheint eine gewisse Menge an Stress zu einem zufriedenen Leben dazuzugehören. Eine Stresssituation kann als eine Herausforderung gesehen werden: Sie hilft uns, Mut zu schöpfen und unser Bestes zu geben. Suchen Sie sich bei Überforderung Hilfe und Kontakt, statt in die Isolation zu fliehen.

Vor allem in Situationen, die wir weder verändern noch kontrollieren können, geht es Menschen besser, die nicht nur die Schattenseiten, sondern auch die positiven Seiten der besonderen Belastung wahrnehmen können.

Kurz gesagt: Es kommt darauf an, dass Sie sich Ihr Leben ohne Rettungspakete nachhaltig einrichten, statt dauerhaft mit geborgter Energie zu leben. Das ist leichter gesagt als getan, denn wer gestresst ist, tut meist das Gegenteil von dem, was gut tut. Sie werden wohl oder übel ein wenig Zeit investieren müssen (auch wenn Sie natürlich versuchen sollten, den Zeitaufwand so gering wie möglich zu halten, um nicht weiteren Stress zu erzeugen). Um es mit Sebastian Kneipp zu sagen: „Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird später viel Zeit für seine Krankheiten brauchen.“

Dabei ist es entscheidend, dass Sie im ersten Schritt Ihre eigenen „echten“ Bedürfnisse erkennen, um die richtige Strategie wählen zu können. Haben Sie zu viele Verpflichtungen in Ihrem Leben und möchten (und können) Sie davon einige abgeben? Möchten Sie mehr Zeit für sich selbst haben und genießen daher Ihre tägliche zehnminütige Meditation? Möchten Sie sich mit einer gesunden Ernährung etwas Gutes tun? Hier sollten Sie so ehrlich wie möglich sein und genau in sich hineinhorchen, um nicht blind irgendwelchen Ratschlägen zu folgen und am Ende Ihr Stressproblem zu verschlimmern, statt einer Lösung näherzukommen.

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