Herz und Gefäße

Das Herz erbringt in jedem Augenblick eine enorme Leistung, indem es ein kilometerlanges Leitungsnetz beständig unter Druck hält. Es versorgt alle inneren Organe, sämtliche Zellen von der Kopfhaut bis zur Fußsohle. Gefäße sind „elastische Röhren“, durch die Blut, Sauerstoff und Nährstoffe zu den einzelnen Organen transportiert werden – pro Tag werden 7000 Liter Flüssigkeit im Körper bewegt. Das Herz schlägt im Sekundentakt, 60-80 Mal in der Minute, 3 Milliarden Mal im Laufe eines Lebens von 70 Jahren.

Erkrankungen des Herzens und der Gefäße sind Folge eines allmählichen Erstarrungsprozesses und entstehen durch ein Übermaß an Risikofaktoren und einen Mangel an Schutzfakto- ren. Über 80% der Herzinfarkte können durch eine gesunde Lebensführung vermieden werden, wie die große Kranken- schwestern-Studie (80.000 Krankenschwestern in den USA) gezeigt hat.

In der modernen Medizin konzentriert man sich daher sehr auf das Herz. Es werden Milliarden in neue operative Verfahren und Möglichkeiten investiert, um auf technischem Wege Verengungen der Herzkranzgefäße durch Bypässe, Stents und Ballonkatheterisierungen zu beseitigen oder zu umgehen. Die tatsächliche Lebensverlängerung durch diese Methoden ist – statistisch gesehen – äußerst enttäuschend.

Viel zu wenig ist man sich bewusst, dass es sich bei der Herzkrankheit um eine Systemkrankheit handelt. In diesem System ist das Herz nicht ausschließlich der aktive Motor. Im Kreislauf selbst wird eine Vielzahl von Impulsen gesetzt, die aus den Bedürfnissen des Gesamtorganismus entspringen. Einige Forscher sind der Meinung, dass das Herz mehr ein reagierendes als ein agierendes Organ ist, dass also der aktivierende Impuls für den Herzschlag aus dem System selbst erzeugt wird. Aus dieser Sicht wird deutlich, dass Herzkrankheiten 70 eben auch Kreislauf-Krankheiten sind.

Entscheidend ist, was sich peripher am Ende des Systems abspielt. Wenn sich dort – in den feinen Kapillaren – Stockungen im fließenden Blut entwickeln, wenn dort der Stoffaustausch nicht mehr optimal funktioniert, dann liegen in diesen feinen abgelegenen Bereichen die Wurzeln für die Erstarrung des gesamten Systems. Die Kapillaren sind zwar extrem fein, bilden aber den bei weitem größten und wichtigsten Anteil des Gefäßnetzes zur Gewebeversorgung.

Um ihre wichtige Transportfunktion erfüllen zu können, nämlich Blut und Nährstoffe in ausreichender Menge durch den Körper zu transportieren und alle lebenswichtigen Gewebe zu versorgen, müssen die Gefäße von Natur aus elastisch und dehnbar, die Gefäßwände von glatter und ebenmäßiger Oberfläche sein. Hierzu sind sie aus stabilem, reißfesten und dehnbaren Kollagen und Elastin gefertigt. Die Arteriosklerose mit Kalkeinlagerung ist der allmähliche Weg aus der Elastizität zur vollkommenen Erstarrung.

Ernährung, Bewegung, der Umgang mit Stress und insbesondere das Rauchen entscheiden über den Zustand unseres Herzens und der Gefäße im positiven und negativen Sinn. Wir entscheiden darüber, was, wie und wie viel wir essen, ob wir mehr vor dem Fernsehgerät sitzen oder uns durch Laufen, Schwimmen oder Radfahren in Bewegung halten.

Durch den allzu reichlichen Genuss von tierischen Fetten, Cholesterin und Eiweiß erstarren und verengen sich die Blutgefäße. Gleichzeitig verschlechtern sich die Fließeigenschaften des Blutes, bis es schließlich gerinnt.

Koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Hirnschlag machen in den Industrienationen 50% der Todesursachen aus.

Der berühmte Mediziner Virchow hat die klassischen drei Ursachen von Gefäßverschlüssen treffend beschrieben:

  • Gefäßwandverletzungen
  • Stagnation des venösen Blutflusses
  • Erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes

Das Erstarren des Blutes in Form eines Thrombus ist verantwortlich für die Hälfte aller Todesfälle. Je nachdem, wo der Thrombus stecken bleibt und sich das Gefäß verschließt, entsteht eine Lungenembolie, ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt.

 Gefäßwandläsionen

 Stagnation des

Blutflusses

 Erhöhte Gerinnungsneigung

 Arteriosklerose

 Krampfadern,

Versagen und/oder

Entzündung der

Beinvenen

 Tumor,

Entzündung

 Endothelschäden

 Bettlägrigkeit,

Bewegungsmangel

 Gerinnungsstörung

 Trauma

 Lange Bus- und

Flugreisen

 Erblich bedingte

Enzymdefekte

 Vaskulitis (Gef..entzündung)

 Übergewicht

 Erniedrigtes Zeta-

Potential

 Sauerstoffmangel

 Austrocknung

 Pille

 

 Aneurysmen

 Schwangerschaft

Die venösen Thromben entstehen infolge eines stagnierten Blutflusses und können zu einer Lungenembolie führen. Die arteriellen Gefäßverschlüsse entstehen zumeist infolge von Arteriosklerose und enden schlimmstenfalls in einem Herzinfarkt oder Hirnschlag. Auch andere Infarkte – meist als Folge von Blutgerinnselbildung im erweiterten Vorhof der Nieren, des Magens, des Darms oder der Beine sind nicht selten.